Schwellenländeranleihen preisen zu viele schlechte Nachrichten ein

RBC BlueBay Asset Management, 27.05.2024

Die Ankündigung von Parlamentswahlen in Großbritannien hat zu einer gedämpften Marktreaktion geführt, berichtet Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay, RBC BlueBay Asset Management. In Japan steigen die Anleiherenditen weiter, Lokalwährungsanleihen aus den Schwellenländern sind aus seiner Sicht günstig bewertet.

Hier sein aktueller Marktkommentar:

„In einer relativ ruhigen Woche bewegten sich US-Staatsanleihen in einer recht engen Bandbreite. Kommentare seitens Verantwortlicher der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) und das Protokoll des Offenmarktausschusses (FOMC) mahnten zur Vorsicht in Bezug auf die jüngsten Verbesserungen bei den Inflationsdaten. Es wurde bekräftigt, dass noch mehrere Monate mit besseren Preisdaten erforderlich sind, bevor die Diskussion über Zinssenkungen wieder auf die Tagesordnung gesetzt werden kann.

Die Renditekurven dürften aus unserer Sicht im Laufe der Zeit steiler werden. Steuersenkungen in den USA oder zusätzliche Ausgaben wie in der Europäischen Union (EU) bedeuten, dass die Haushaltsdefizite in nächster Zeit wahrscheinlich nicht kleiner werden. Dies dürfte dazu führen, dass eine höhere Laufzeitprämie eingepreist wird, da die Anleger eine höhere Entschädigung für den Besitz von Vermögenswerten mit längerer Laufzeit verlangen.

In Japan sind die Renditen in der vergangenen Woche weiter gestiegen. 10-jährige Papiere haben zum ersten Mal seit 2012 die Marke von 1,00 Prozent überschritten. Es gibt Anzeichen dafür, dass die japanische Regierung bald ein offizielles Ende der Deflation verkünden wird. Dies könnte ein Impuls für eine weitere Anpassung der Geldpolitik auf der Juni-Sitzung der Bank of Japan (BoJ) sein.

Wir gehen davon aus, dass diese in erster Linie eine weitere Reduzierung der Anleihekäufe durch die Zentralbank beinhalten wird. Die Ausweitung der BoJ-Bilanz ist aus unserer Sicht nicht mehr gerechtfertigt und schwächt den Yen, da andere Zentralbanken ihre Bilanzen schrumpfen. Danach rechnen wir mit Zinserhöhungen auf 0,25 Prozent im Juli und 0,50 Prozent auf der Oktobersitzung. In diesem Fall könnten 10-jährige japanische Staatsanleihen bis zum Herbst 1,25 Prozent bis 1,5 Prozent erreichen.

Im Vereinigten Königreich beherrschte die Politik die Nachrichtenlage: Premierminister Rishi Sunak kündigte für den 4. Juli Parlamentswahlen an. Die konservative Partei ist in den Umfragen weit abgeschlagen. Man hat daher das Gefühl, dass eine Labour-Regierung von vornherein feststeht – und die einzige Frage die Größe der Labour-Mehrheit und das Ausmaß der Tory-Verluste betrifft.

Die geringen Aussichten auf ein überraschendes Ergebnis haben zu einer gedämpften Marktreaktion auf die Wahlankündigung geführt. Wir neigen jedoch zu der Ansicht, dass ein sehr deutlicher Sieg der Labour-Partei mit einer Mehrheit von 200 Sitzen negativ aufgenommen werden könnte.

In den Schwellenländern stehen die in der kommenden Woche stattfindenden Wahlen in Südafrika und Mexiko im Fokus. Wir sind der Meinung, dass wir trotz einiger kurzfristiger Unsicherheiten marktstützende Ergebnisse sehen werden. Anleihen in Landeswährung preisen aus unserer Sicht in beiden Märkten zu viele schlechte Nachrichten ein, während die Devisenmärkte jeweils eine viel optimistischere Sichtweise widerzuspiegeln scheinen.

Lokalwährungsanleihen aus den Schwellenländern bleiben strukturell günstig. Da die Inflation in den aufstrebenden Volkswirtschaften zurückgeht, besteht unserer Meinung nach die Möglichkeit, das Engagement in diesem Bereich zu erhöhen.

In den USA bleibt das wirtschaftliche Umfeld relativ positiv. Auch die europäischen Daten haben sich 2024 im Vergleich zu 2023 verbessert. Je länger die Geldpolitik jedoch auf einem restriktiven Niveau bleibt, desto wahrscheinlicher werden Schwachstellen aufgedeckt. Sicherlich wurden viele Geschäftspläne und -modelle nicht mit Blick auf das derzeitige Zinsniveau erstellt. Wer sich übernommen hat, wird das irgendwann merken.“

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