Positive Entwicklung in Japan rückt die Notenbankpolitik in den Fokus

RBC BlueBay Asset Management, 01.03.2024

Zuletzt hat sich die Markterwartung bezüglich der Zinspolitik zunehmend den Prognosen der Federal Reserve Bank (Fed) angenähert. Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay, RBC BlueBay Asset Management, ordnet das aktuelle Umfeld ein. Er blickt dabei auf die US-Präsidentschaftswahl und deren möglichen Einfluss auf die Wirtschaft Europas sowie die Konsequenzen der expansiven Geldpolitik durch die Notenbanken. Dazu teilt er seine Einschätzung zu den anstehenden Zinsentscheidungen und der besonderen Rolle Japans in diesem Kontext.

Hier sein aktueller Marktkommentar:

„Eine Woche, die hinsichtlich neuer Wirtschaftsdaten relativ ruhig war, neigt sich dem Ende zu. Wir sehen eine Konsolidierung der Renditen von Staatsanleihen und einen Markt, der sich den Prognosen der Fed zur Zinspolitik weitestgehend angenähert hat. Für die nächste signifikante Bewegung an den Zins- und Anleihemärkten, so scheint es, braucht es neue Datenpunkte und Signale seitens der Notenbanken.

Das Narrativ einer robusten Wirtschaft in den Vereinigten Staaten besteht nach wie vor. Angesichts der Euphorie um Künstliche Intelligenz (KI) beobachten wir Parallelen zum Ende des letzten Jahrhunderts.

Doch die starke US-Wirtschaft steht auch im Einklang mit dem Risiko einer nicht deutlich genug sinkenden Inflation. Zwar lag die Entwicklung der Kerninflation privater Konsumausgaben in den Vereinigten Staaten zuletzt innerhalb der Erwartungen des Marktes. Wir sehen jedoch die Gefahr, dass die US-Inflation in den kommenden Monaten höher bleibt.

Ebenfalls relevant für die US-Wirtschaft bleibt die dortige Präsidentschaftswahl. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass die Popularität des aktuellen US-Präsidenten Joe Biden niedriger liegt als bei jedem anderen Präsidenten der vergangenen 70 Jahre.

Schließlich wird die Wahlentscheidung durch eine geringe Anzahl von Wählern in den sechs sogenannten Swing States getroffen. Die Wahl dürfte auch für Europa von Bedeutung sein, vor allem im Hinblick auf die Notwendigkeit höherer Ausgaben für Verteidigung in einigen Ländern der Europäischen Union.

Dies dürfte ein nicht unerheblicher Faktor für das Wirtschaftswachstum dieser Region sein. Allerdings könnte damit erneut ein steigender Preisdruck einhergehen. Die Europäische Zentralbank (EZB) möchte dies vielleicht künftig in ihrer Entscheidungsfindung zur Zinspolitik berücksichtigen.

In Anlehnung an die Politik der EZB lohnt es, sich die Konsequenzen des Endes der Quantitativen Lockerungen vor Augen zu halten. Nachdem Zentralbanken massiv hohe Volumina an Staatsanleihen in einem Umfeld niedriger Zinsen erworben haben, wird ein Teil dieser Bestände nun veräußert. Dabei müssen aufgrund des höheren Zinsniveaus hohe Verluste realisiert werden. Im Falle der Bank of England geht man davon aus, dass die Verluste aus der lockeren Geldpolitik über 200 Milliarden Britische Pfund liegen.

In Japan stellt sich die Situation weniger dramatisch dar, weil die Bank of Japan (BoJ) auch erhebliche Bestände an japanischen Aktien hält, was hilft, einige Verluste im Anleihebereich auszugleichen. Mit Blick auf die japanische Geldpolitik sei erwähnt, dass uns eine Anpassung seitens der BoJ nicht wundern würde.

Soviel zur Politik der globalen Notenbanken. Für interessant halten wir darüber hinaus die jüngste Entwicklung der Kreditrisikoaufschläge bei Unternehmens- und Staatsanleihen. Wir erwarten, dass die Volumina von Neuemissionen demnächst sinken, sodass die Kreditrisikoaufschläge sogar noch enger als heute handeln könnten.

Beim Blick auf die weitere Entwicklung der Kapitalmärkte halten wir fest, dass sich riskante Anlagen in 2024 bislang relativ positiv entwickeln konnten – und das trotz der gestiegenen Anleiherenditen.

Adverse Entwicklungen des Marktes würden wir erwarten, wenn neue Rezessionssorgen aufkommen oder der Markt das Ende der restriktiven Geldpolitik erneut in Frage stellen würde. Vor diesem Hintergrund erwarten uns in den nächsten Wochen einige neue Wirtschaftsdaten und Entscheidungen seitens der großen Notenbanken. Von der EZB erwarten wir allerdings keine nennenswerte Änderung ihrer Politik. Selbiges gilt für die Fed, deren Mitglieder sich zum Ende dieses Monats treffen werden. Entsprechend könnte es die BoJ sein, die den Markt als erste der großen Notenbanken mit einer deutlichen Richtungsänderung überrascht.

Angesichts dessen wollen wir die positive Entwicklung des japanischen Aktienindex Nikkei nicht unerwähnt lassen. Der Nikkei 225 Index notiert heute so hoch wie zuletzt vor knapp 35 Jahren. Damals notierte die Inflation in Japan bei 2,6 Prozent, während der Leitzins bei 4,25 Prozent lag. Dies ist möglicherweise eine Anregung zum Nachdenken.“