2024 wird ein wichtiges Jahr für die Politik weltweit

RBC BlueBay Asset Management, 05.01.2024

Im globalen Superwahljahr wird Donald Trump ins Weiße Haus zurückkehren. Damit rechnet Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay, RBC BlueBay Asset Management. Die Stabilität der Eurozone sieht er nicht bedroht – warnt aber vor besorgniserregenden Entwicklungen.

Hier sein aktueller Marktkommentar:

„Im November und Dezember 2023 verzeichnete das globale Anleihebarometer Global Aggregate Bond Index eine Rendite von fast 10 Prozent und damit den besten Zweimonatsgewinn seit 1990. Grund dafür waren sinkende Renditen, da sich die Inflation verlangsamte und die Zentralbanken für 2024 Zinssenkungen in Aussicht stellten.

Diese Entwicklung führte zu einem Ansturm von Anlegern, die in Erwartung eines bevorstehenden geldpolitischen Lockerungszyklus Barmittel an den Markt bringen wollten. In der Folge waren jedoch die Bewertungen zum Jahresende überhöht.

Mit Blick auf die Marktprognosen, die von Zinssenkungen bereits im März dieses Jahres ausgehen, sehen wir viel Raum für Enttäuschungen seitens der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bank of England. In den USA wächst die Wirtschaft weiterhin in einem gesunden Tempo. Da der jüngste Rückgang der Hypothekenzinsen den Immobilienmarkt angekurbelt hat, denken wir nicht, dass es die Fed mit Zinssenkungen eilig haben wird. Wir wären ebenso nicht überrascht, wenn sich die Inflation im ersten Quartal als beständiger erweist als von vielen erwartet.

Darüber hinaus scheint es angesichts von Vollbeschäftigung, nahezu Rekordständen am Aktienmarkt und im Vergleich zum vierten Quartal 2023 wesentlich günstigeren Finanzierungsbedingungen ein ungewöhnlicher Zeitpunkt für den Beginn einer geldpolitischen Lockerung zu sein – selbst, wenn die Zinssätze auf einem als restriktiv geltenden Niveau liegen.

Wir gehen davon aus, dass die bisherige Straffung der Geldpolitik weiterhin Wirkung zeigt und sich die US-Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte verlangsamen wird. Wir sind jedoch der Meinung, dass dies mit zwei Zinssenkungen der Fed in der zweiten Jahreshälfte 2024 vereinbar ist.

Das Jahr 2024 ist ein wichtiges Jahr für die Politik weltweit. Die Wähler werden unter anderem in den USA, Mexiko, Indien, Südafrika, Russland und der Türkei an die Urnen gehen. In sieben der zehn bevölkerungsreichsten Länder der Welt finden Wahlen statt. 40 Prozent der Weltbevölkerung sind wahlberechtigt.

Wenig überraschend wird die meiste Aufmerksamkeit auf den Ereignissen in den Vereinigten Staaten liegen. Zum jetzigen Zeitpunkt wäre es eine Überraschung, wenn Donald Trump angesichts seines aktuell zweistelligen Vorsprungs vor Amtsinhaber Joe Biden nicht wieder ins Weiße Haus einziehen würde. Es gibt Versuche, Trump in Colorado und Maine von den Wahlzetteln zu streichen. Es wird aber allgemein erwartet, dass der Oberste Gerichtshof hier eingreifen wird.

Dennoch dürfte die Aussicht auf eine Spaltung in der US-Politik einen längeren Shutdown wahrscheinlicher machen. Dieser könnte noch in diesem Monat beginnen, wenn die Überbrückungsmaßnahmen aus dem vergangenen Jahr auslaufen. Es ist aber fraglich, inwieweit sich dies auf die Wirtschaft auswirken wird.

In der Eurozone ist der politische Kalender etwas leerer. Dennoch möchten wir auf politische Trends auf dem gesamten Kontinent hinweisen, die in Brüssel und darüber hinaus Anlass zu wachsender Sorge geben.

Im vergangenen Jahr war es interessant, den anhaltenden Aufstieg rechtsgerichteter, pro-nationaler Parteien in einer Reihe von Ländern zu beobachten. In Italien steht Giorgia Meloni hoch im Kurs, während in den Niederlanden die Zugewinne der Partei von Geert Wilders mit ihrer einwanderungsfeindlichen und antigrünen Agenda das Establishment schockierten. Die deutschen Wähler haben sich verstärkt der AfD zugewandt.

Obwohl die Stabilität der Eurozone nicht unmittelbar bedroht ist, kann politische Volatilität nicht ausgeschlossen werden – insbesondere, wenn der derzeitige Wirtschaftsabschwung auf dem Kontinent in eine länger anhaltende Rezession mit wesentlich höherer Arbeitslosigkeit münden sollte.

Die Renditen in der Währungsunion haben sich Anfang Januar kaum verändert. Die Inflation ist im Dezember wie erwartet gestiegen. Aus unserer Sicht ist der Markt zu früh dran, wenn er Zinssenkungen der EZB bereits im März einpreist.

Die Kerninflationsrate liegt nach wie vor deutlich über dem Zielwert. Die Wirtschaft der Eurozone hatte in den letzten Monaten zu kämpfen. Indikatoren in Bereichen wie dem Immobilienmarkt deuten aber auf eine gewisse Stabilisierung hin. Die Arbeitsmarktdaten halten sich ebenfalls weiterhin relativ gut. Wir sehen bei EZB-Chefin Christine Lagarde und ihren Kollegen daher keine Dringlichkeit, Diskussionen über Zinssenkungen zu beginnen.“

 

PDF herunterladen