KOMMENTAR - BÖRSENFUSION: Ausgeträumt

Börsen-ZeitungFebruar 2, 2012

Einer der bekanntesten griechischen Mythen ist der des Sisyphos, der dazu verdammt war, ewig einen Felsblock einen steilen Berg hinaufzurollen, der kurz vor Erreichen des Ziels entglitt und hinunterrollte, so dass der arme Held wieder von vorn beginnen musste. Seine Leiden dürften für Reto Francioni, den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Börse, nur zu gut nachvollziehbar sein. Denn nach dem aktuellen Veto der EU-Wettbewerbshüter ist schon wieder ein Versuch des Frankfurter Marktbetreibers, sich mit einem Konkurrenten zusammenzuschließen, gescheitert.

Die Liste der Pleiten der Deutschen Börse ist mittlerweile sehr lang: zwei in den Jahren 2000 und 2005 gescheiterte Versuche, die London Stock Exchange (LSE) an Land zu ziehen, im Jahr 2004 die Ablehnung eines Fusionsvorschlags durch die Schweizer Börse, als deren Verwaltungsratspräsident seinerzeit übrigens Reto Francioni amtierte, die Konsolidierungsgespräche mit der Borsa Italiana sowie die Niederlage gegen die New York Stock Exchange (Nyse) im Ringen um Euronext im Jahr 2006 und nun der geplante Zusammenschluss mit der Nyse Euronext. Zählt man noch das Vorhaben des Jahres 1998, im Rahmen einer Kooperation mit der LSE eine paneuropäische Aktienhandelsplattform zu errichten, und den 2003 beendeten Versuch, gemeinsam mit der Terminbörse Chicago Board of Trade den amerikanischen Derivatemarkt zu erschließen, hinzu, ergeben sich acht gescheiterte Versuche, mit anderen globalen Börsen ins Geschäft zu kommen.